Das ist wirklich zu persönlich!

Das ist wirklich zu persönlich!

Die Reaktionen zu meinen Blutbildern sind sehr unterschiedlich und immer bereichernd für mich. Sie haben genauso Anteil an meiner Motivation und Freude, mich immer eingehender mit der Weiblichkeit, dem Zyklischen und der Menstruation zu beschäftigen wie meine eigene Neugier. Was soviel Energie aufwirbelt birgt sicher einiges zu entdecken.

Es gibt Frauen (und Männer) die das wundervoll finden, die direkt die Kraft in diesen Blutbildern sehen und berührt sind von der Eindringlichkeit dieser Art von Ausdruck, Botschaft und letztlich dem Gesamtkunstwerk, der Porträts.
Es gibt Menschen die das interessant finden und damit aber nichts weiter anfangen können oder wollen und die, die das seltsam und befremdlich finden. „Denn so etwas Intimes, das gehört nicht in die Öffentlichkeit.“ Dem möchte ich etwas weiter nachspüren.


Die Vorstellung dem eigenen Blut soviel Raum, soviel Aufmerksamkeit und damit Wertschätzung zu geben, kann schon mal Angst machen, zumindest wenn ich das bisher in meinem Leben so noch nicht erfahren habe, das kann ich gut verstehen. Wird doch da erst schmerzlich bewusst wie verdrängt, versteckt und beschämt der Umgang mit der eigenen Menstruation und dem eigenen Blut eventuell bis jetzt war.

Zu erkennen und einzugestehen, dass es möglicherweise gar nicht nötig gewesen wäre, diesen Teil von mir so abwertend und ignorant zu behandeln, (weil man das eben so macht, so vorgelebt bekommen hat und es anders noch nicht erleben durfte) kann zwar zum Einen erleichternd und befreiend sein, dennoch macht es auch die Verleugnung bewusst und bringt eventuell die Traurigkeit darüber mit sich, all die Jahre, manchmal Jahrzehnte auf etwas verzichtet zu haben, was Lebensenergie hätte kreieren können, ja was einen großen Teil von mir ausmacht.

Gleichzeitig birgt das Entdecken, dass eine alltäglich lebbare, annehmende und gar wertschätzende Haltung dem Menstruationsblut gegenüber und damit dem weiblichen Zyklus und damit letztlich der ganzen Weiblichkeit, dem Frausein in all seiner Kraft, tatsächlich möglich ist, eine Faszination und Lebendigkeit in sich, die das Leben von nun an bereichern wird. Und nicht nur das eigene.

Ich möchte an dieser Stelle klar stellen, dass ich damit nicht sagen möchte, wenn du meine Blutkunst nicht magst, hast du ein Problem mit deiner eigenen Weiblichkeit. Es kann die unterschiedlichsten Gründe dafür geben, warum sich jemand von etwas angezogen oder abgestoßen fühlt. Es könnte auch einfach Geschmackssache sein. Und du kannst mit dir und deinem Blut im schönsten Einklang leben und meine Bilder trotzdem nicht mögen, ganz klar. Oft gibt es aber hinter dem Widerstand etwas zu entdecken. Und wenn meine Kunst dabei hilfreich sein kann, wunde Punkte zu ent-decken, verneige ich mich und gemeinsam können wir heilsame Schritte gehen.



“Hier bin ich verletzlich …”



Ich habe Freude daran, wirklich hinzuschauen und immer noch eine Schicht tiefer nachzugucken, warum Etwas dies oder jenes auslöst. Und so wird für mich immer sichtbarer,
dass es einfach eine große Verletzlichkeit in sich birgt.
In unserem Schoss, in unserer Gebärmutter, in unserem Muttermund liegt nicht nur die Kraft, Leben zu schöpfen, dort liegen auch die Wunden verborgen, die wir im Lauf unseres Lebens erhielten und es ist mehr als verständlich das dieser Ort völlig zu recht gut beschützt wird. Vor ungewolltem Eindringen, klar, aber auch vor Hinschauen und Fragen, hinterfragen warum die Dinge so sind. Das alles kann so unangenehm sein,
dass es unmöglich erscheint, das zuzulassen.
Wir sind so weit weg von unserer natürlichen Verbundenheit vergesellschaftet, dass es unnatürlich erscheinen kann, diese wesentlichsten Gegebenheiten unserer Natur friedlich und freudvoll zu betrachten. 
 
Dennoch wartet alles in dir und mir darauf, sprechen zu dürfen, mit dem warmen Licht der Aufmerksamkeit geflutet zu werden und ins Fließen zu kommen, damit auch der Muttermund von seinem Wunden sprechen kann.

Und ich wünsche mir, dass jede Frau willentlich entscheiden kann, ihren Schoß zu schützen wann immer sie es für nötig hält und dabei dennoch im Kontakt sein kann mit den Schätzen, die darin verborgen liegen. Wenn es nötig sein sollte, die Kammer abzuschließen, sollten wir den Schlüssel behalten und gut verwahren. Denn es könnte die Zeit kommen, in der du mehr willst vom Leben, in der du es wissen willst, zurück willst zu deiner Kraft, zu deinem Ganzsein. Vielleicht wirst du dir dessen nicht so recht bewusst sein, vielleicht ist es ein diffuses Verlangen nach nicht gekannter Tiefe, vielleicht aufkeimende Neugier, dich besser kennen zulernen und sicher wirst du froh sein, zu bemerken, dass du dich jetzt hinwenden kannst. Weil es an der Zeit ist. Und es nun die Gelegenheit ist, aus der Wundenkammer eine Wunderkammer zu machen, in dem du den Schlüssel im Schloss umdrehst.


„Meine Menstruation ist doch was sehr Persönliches, also das ist mir zu intim.“


Was ich immer wieder mal höre, wenn ich über meine Arbeit spreche ist, dass DAS doch aber schon etwas sehr Persönliches sei, dass es zu intim sei um das vor und mit anderen zu teilen. Ja, das kann ich nachvollziehen. Es ist gut, wenn du deine Grenzen achtest. Es IST persönlich, es IST intim UND das bedeutet nicht, dass es nicht gesehen werden darf. Es bedeutet „hier bin ich verletzlich, ich brauche einen sicheren und geschützten Rahmen, damit ich entspannt und in Ruhe damit sein kann, ohne in Stress zu geraten, ohne mich zurückzuhalten, zu verstecken oder mich dafür zu schämen.“ Was es braucht, ist nicht mehr Zurückhaltung sondern mehr Vertrautheit und sichere Räume in denen wir uns miteinander wieder begegnen und entfalten können.

Ja, deine Menstruation ist etwas Persönliches und gleichzeitig ist sie es nicht.
Millionen Frauen auf dieser Erde bluten ganz genau wie du aus ganz genau dem gleichen Grund. Da gibt es nichts, was dein eigenes „Problem“ wäre.

Du bist eine von uns.

Und Millionen von Frauen bluten nicht (mehr), aus genau dem gleichen Grund.
Und viele bluten aus anderen Gründen nicht.

Du bist nicht allein.
Du bist eine von uns.
Schwester.


Und verrückter weise entsteht diese Vertrautheit genau dann, wenn Menschen sich trauen, ihr Persönliches, ihr Intimes anzuvertrauen, sich verletzlich dar zu bieten und darauf zu vertrauen, dass sie unbeschadet bleiben. Das berührt, das macht uns weich und mitfühlend. Und gemeinsam durch Zeigen und Sehen, durch Sprechen und Hören, durch Geben und Nehmen erschaffen wir uns selbst die Vertrautheit die wir so dringend brauchen um ganz wir selbst zu sein.


Susanne





Wenn du dich einem kleinen Kreis von Frauen anschließen möchtest, bist du in unserer Blutsschwestern Facebook-Gruppe herzlich willkommen. Du findest den Link dorthin oben rechts auf meiner Lilien Facebookseite.



2 thoughts on “Das ist wirklich zu persönlich!”

  • Vielen Dank für deinen wunderschönen und wertschätzenden Beitrag. Ich werde einen Teil daraus auf meinem Instagram Profil Posten und deine Seite verlinken. Ich bin so begeistert von deiner Arbeit und überlege noch, mir auch ein Blutbild malen zu lassen, bevor ich aufhöre zu bluten. Im Moment kann ich es mir finanziell nicht leisten. Ich werde mir von meinem Blut etwas einfrieren, damit ich es auch noch umsetzen kann.
    Herzensverbundene Grüße, Ilka
    Instagram @frauenauszeit

    • Liebe Ilka, ich danke dir für deine Wertschätzung und das Teilen meiner Arbeit. Und ich freue mich darüber, dass wir dein Blutbild nun gemeinsam auf die Welt holen können. Susanne

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